Schweizer Holz für öffentliche Bauten

Auch im öffentlichen Bereich kann auf Schweizer Holz geachtet werden

Während alle Bauherren bereits zu Beginn den Holzbau als die gewünschte Bauweise festlegen können, ist die Festlegung der Herkunft des Holzes für öffentliche Beschaffungen im Staatsvertragsbereich nach GATT/WTO nicht möglich. In allen Fällen sollte die Präferenz für eine nachhaltige Bauweise in Schweizer Holz bereits während der Vorstudie in die Projektdefinition aufgenommen werden, von wo sie in das Projektpflichtenheft übergeht und von den Planern laufend verfeinert wird. In der Ausschreibung werden die Anforderungen der Auftraggeberin schliesslich konkret in das Projekt übersetzt und beschrieben.

Für Holz kann dies die Forderung nach nachhaltig produziertem Holz sein, wie zum Beispiel Holz mit dem Label Schweizer Holz, PEFC oder FSC. Es ist auch möglich, das eigene Rund- und Bauholz für das Bauprojekt bereitzustellen. Für öffentliche Bauherren bietet das revidierte Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen
(BöB) genügend Instrumente für eine nachhaltigere Beschaffung mit mehr Qualitätswettbewerb, sie müssen nur richtig angewendet werden.

Mehr Details wie Schweizer Holz auch in öffentlichen Ausschreibungen  berücksichtigt werden kann, erläutert das Lignum-Compact-Merkblatt Ausschreiben mit Schweizer Holz.
ausschreiben-mit-schweizer-holz.pdf

Im öffentlichen Bau spielt die Nachhaltigkeit zu Recht eine immer wichtigere Rolle. Die Nutzung von Holz trägt zur Wertschöpfung im Inland und zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei. Damit unterstützt Holz die nachhaltige Entwicklung in der Schweiz mit Nutzen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. kbob-nachhaltiges-bauen-mit-holz_1.pdf

Leitfaden für öffentliche Ausschreibungen

Mit der strategischen Entscheidung, das Bauprojekt mit einem hohen Anteil an Holz auszuführen, kann es schon in der Vorstudie als Holzbausystem
konzipiert und im weiteren Verlauf optimiert werden. Handelsübliche Abmessungen von Bauprodukten finden sich in den Holzhandelsgebräuchen (HHG). Für sehr grosse Mengen, insbesondere bei nicht handelsüblichen Abmessungen, sollten die Lagerbestände auf dem Holzmarkt geprüft und allenfalls die benötigten Produkte frühzeitig vorbestellt werden

Die Forderung nach Schweizer Holz kann in der Ausschreibung auf verschiedenen Ebenen erfolgen. Über die NPK-Wiederholungsposition kann das Label Schweizer Holz gezielt als Variante für eine Position verlangt werden. Über den Abschnitt "Bedingungen" können die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Herkunft des Holzes wie folgt definiert werden :

"Es sind nach Möglichkeit Holz und Holzwerkstoffe mit dem Label Schweizer Holz zu verwenden. Der Unternehmer muss im Angebot die Holzart und die Herkunft des Holzes gemäss Verordnung über die Deklaration von Holz und Holzprodukten [SR 944.021] angeben."

Damit Holz in Wettbewerbs- oder Studienaufträgen einen hohen Stellenwert erhält, ist die Verwendung von Holz in der Vorbereitung des Wettbewerbsprogramms als Auftrag an das Beurteilungsgremium aufzunehmen.

Beurteilungskriterium Nachhaltigkeit/Ökologie
"Die Auftraggeberin legt Wert auf die Verwendung von erneuerbaren Baumaterialien sowie die gesamtheitliche Betrachtung des Lebenszyklus in Bezug auf Umweltauswirkungen wie «Primärenergie nicht erneuerbar» (graue Energie) und «Treibhausgaspotential» (CO2-Äquivalent)."

Bei Architekturwettbewerben und Studienaufträgen können Fachleute aus der Wald- und Holzwirtschaft als Fachpreisrichter in die Jury  aufgenommen werden (im Sinne von Art. 16 der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen VöB).

Unabhängig vom erforderlichen Ausschreibungsverfahren können Auftraggeberinnen der öffentlichen Hand von Anfang an die Bauweise, z. B. eine Holzbauweise, festlegen. Dies verletzt den WTOGrundsatz der Nichtdiskriminierung nicht; der Wettbewerb bleibt gewährleistet. Idealerweise fusst der Entscheid für eine Bauweise mit nachhaltigen Baustoffen auf einer vorgefassten Strategie, dazu kann die KBOB-Empfehlung holzbau-in-der-immobilienstrategie.pdf beigezogen werden.

Ohne öffentliche Ausschreibung
Freihändiges Verfahren
Bis zu einem Auftragswert von CHF 300'000.– (Stand 2021) können Bund und Kantone im Bauhauptgewerbe das freihändige Verfahren anwenden (Art. 21 BöB). Im Gegensatz zu allen anderen Verfahren ist das freihändige Verfahren an keine formalen Verfahrensvorschriften gebunden.

Einladungsverfahren
Im Einladungsverfahren bestimmt die Auftraggeberin, welche Anbieter sie ohne öffentliche Ausschreibung zur Angebotsabgabe einladen will. Es werden mindestens drei Angebote eingeholt (Art. 20 BöB). Das Einladungsverfahren kann im Bauhauptgewerbe bis zu einem Auftragswert von CHF 2'000000.– (Bund gem. BöB) bzw. CHF 500'000.– (Kantone gem. IVöB) angewendet werden (Stand 2021). Im Einladungsverfahren kann das Label Schweizer Holz direkt gefordert werden. Dabei können auch gezielt Anbieterinnen berücksichtigt werden, die aus Überzeugung auf Schweizer Holz setzen.

Mit öffentlicher Ausschreibung
Offenes oder selektives Verfahren
Bei Auftragswerten, welche über den Schwellenwerten des Einladungsverfahrens liegen, sind nur noch öffentliche Ausschreibungen möglich. Gleiches gilt für alle Beschaffungen, welche mit einem Gesamtwert des Bauwerks ab CHF 8,7 Mio. den WTO-Staatsverträgen unterliegen. Im offenen Verfahren erfolgt eine öffentliche Ausschreibung, aufgrund deren alle Anbietenden ein Angebot einreichen können (Art. 18 BöB).

Im selektiven Verfahren können alle Anbietenden die Teilnahme beantragen; die Auftraggeberin prüft die Eignung und bestimmt, wer davon ein Angebot einreichen darf (Art. 19 BöB). In solchen öffentlichen Ausschreibungen darf das Herkunftsland nicht mehr eingeschränkt werden. Juristisch ist nur noch der Begriff ‹nachhaltig produziertes Holz› zulässig, wobei das Label Schweizer Holz weiterhin als ein dazu möglicher Nachhaltigkeitsnachweis aufgeführt werden darf. Das Label Schweizer Holz kann immer noch als nicht vergaberelevante Eventualposition in der Ausschreibung festgehalten werden. Der Zuschlag erfolgt aufgrund der Hauptposition. Nach dem Zuschlag kann auf die Eventualposition gewechselt werden, sofern die Anbieterin auch damit immer noch in der Bewertung zuoberst liegt.

Nachhaltigkeit umfasst die Aspekte Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Während das Kriterium Soziales nicht immer einen direkt kausalen
Zusammenhang mit dem Beschaffungsgegenstand hat, können die Auswirkungen der Baumaterialien auf die Umwelt anhand der Indikatoren aus Ökobilanzen von Gebäuden eindeutig berechnet und verglichen werden. Zu den wichtigsten Indikatoren gehören die ‹Primärenergie nicht erneuerbar› (graue Energie), die ‹Primärenergie total› und das ‹Treibhausgaspotential› (CO2-Äquivalent). Als einheitliche Grundlage zur Berechnung der Umwelt- auswirkungen von Gebäuden gibt es die KBOB-Liste ‹Ökobilanzdaten im Baubereich›. Werden diese Indikatoren auch mit den jeweiligen Transportdistanzen in der Lieferkette der Anbieter berechnet, so werden darin auch die ökologischen Vorteile regional hergestellter Baumaterialien ersichtlich.

Zum Detailvergleich der Umweltauswirkungen von Bauholz und Holzwerkstoffen mit unterschiedlicher Herkunft gibt es den KBOB-Holzrechner. Die gespeicherte Energie sowie das im Holz gebundene CO2 des verbauten Holzes sind in SIA und KBOB keine Indikatoren. Sie lassen sich aber einfach aus dem Materialmengenauszug des Bauprojekts berechnen. Wichtig zu wissen: Der Brennwert des verbauten Holzes ist im Indikator ‹Primärenergie erneuerbar› enthalten, der Indikator enthält also sowohl energetisch verbrauchte als auch stofflich verbaute Energie.

Gemäss Art. 26 BöB kann die Ausschreibung zwingende Teilnahmebedingungen für die Anbieterin und ihre Subunternehmerinnen beinhalten, welche den WTO-Grundsatz der Nichtdiskriminierung nicht verletzen. Zwingende Teilnahmebedingungen können wie folgt lauten:

"Es darf nur nachhaltig produziertes Holz verwendet werden. Der Nachweis dazu kann über anerkannte Labels wie das Label Schweizer Holz, PEFC oder FSC erfolgen. [WaG, SR 921.0, Art. 34b, Abs. 1] Der Unternehmer muss die Herkunft und die Holzart gemäss SR 944.021, Art. 2 deklarieren.› oder ‹Im Auftrag sind die vom Auftraggeber bereitgestellten Baustoffe als Eigenleistung zu verwenden."

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